„Aut prodesse volunt aut delectare poetae“ („Entweder Nutzen bringen oder Freude bereiten wollen die Dichter“) heißt ein gängiges Motto in der antiken Literatur.
Wir – das P-Seminar Latein 24/25 unter der Leitung von Magistra Meyer – hatten uns beides zum Ziel gesetzt.
Woche um Woche feilten wir jeden Freitag an einem unterhaltsamen, aber auch lehrreichen Programm für die 150 Schülerinnen und Schüler, die in den Jahrgangsstufen 6 bis 8 Latein als zweite Fremdsprache belegt haben.
Auch wenn der Dies Latinus schon seit einigen Jahren als feste Veranstaltung des Schulkalenders galt, so wollten wir doch etwas Neues und Großes auf die Beine stellen. Denn schließlich heißt es nicht umsonst seit Senecas Zeiten: non scholae, sed vitae discimus.
Ein ausgeklügelter „Masterplan“ entstand, den es dann galt, am 17. Juli 2025 in die Tat umzusetzen.
Bereits im Morgengrauen wurde eine Turnhalle in den Schauplatz olympischer Disziplinen verwandelt. Neben einem Gladiatorentraining und Diskuswurf sollte auch das antike Wagenrennen à la Ben Hur nachgestellt werden.

Nachdem bereits am Nachmittag zuvor alle Räumlichkeiten in antikes Gewand gehüllt worden waren, waren am Tag der Tage nur noch wenige Handgriffe nötig, die tunicae wurden übergeworfen (maximas gratias an dieser Stelle an Magistra Simon, die dafür unermüdlich an der Nähmaschine gesessen war!) und es hieß: ludi incipiant – Mögen die Spiele beginnen!

In zeitversetzten Schienen wurde den discipulis folgendes Programm geboten:
Simon Behrens frischte mit modernen Wachstäfelchen (neudeutsch auch Tablets genannt) das Wissen rund um römische Kleidung auf.

Wer antik gewandet werden wollte, konnte eine römische tunica sowie toga überwerfen, sich nach römischer Flechtkunst hübsch frisieren lassen und dank der modernen Technik ein Erinnerungsfoto vor dem Colosseum schießen lassen.

Noah Brunner hatte es sich zum Ziel gesetzt, das Wissen rund um die Götter und deren Sagen in den Fokus zu rücken. Alle Workshop-Teilnehmer konnten ihre Kenntnisse unter Beweis stellen und sich in Kleingruppen in Echtzeit miteinander messen.

Im nächsten Raum durften die Schülerinnen und Schüler ein wenig in die Geschichte der römischen Aquaedukte eintauchen und sich am Bau eines solchen (massive Steinquader wurden durch Toilettenpapierrollen ersetzt) versuchen.
Lea Keil zeigte zudem, wie man die Spielvorlage für römische Mühle (rota) bastelte.
Nach den Fingerfertigkeiten waren nun Spieltechniken verlangt.

Charlotte Nilsson erklärte insgesamt fünf verschiedene römische Spiele, u.a. omilla, ludus lantruncularia und erweckte so den Eifer der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auch die zuvor gebastelte Rota-Vorlage kam zum Einsatz.

Im Anschluss daran ging es eine Etage tiefer in die Kommunikationszone I, wo Sebastian Maurer mit einem kleinen Starensemble des Oberstufentheaters die Sage zu Odysseus und Polyphem modern aufgehübscht und mit „Deutein“ gespickt zum Besten gab. Ganz im Sinne der Wissenssicherung mussten sich die Schülerinnen und Schüler nachfolgend kniffligen Quizfragen dazu stellen.

Um sich schon einmal sportlich aufzuwärmen ging es schließlich noch zwei Stockwerke tiefer in die Turnhalle, die – wie bereits erwähnt – von Mia Alting und Valentin Lohner in eine Mischung aus Gladiatorenschule und Circus Maximus verwandelt worden war. Wer bis dahin noch nicht schwitzte, tat es nach Absolvieren der Trainingseinheiten auf alle Fälle.

Während die 6. Jahrgangstufe zwei Stunden lang Workshops durchlief, konnten es sich die älteren Lateinlernenden in der Kommunikationszone II bequem machen und dem Kabarett von Björn Puscha lauschen. Wir freuen uns sehr, dass er uns auch dieses Jahr wieder beehrt hat und mit einem völlig neuen Bühnenprogramm, das die Schülerschaft noch nicht aus dem letzten Jahr kannte, eine absolute Premiere darbot. Björn hat sich in den letzten Jahren zu einer wahren Institution an den bayerischen Schulen aufgeschwungen und die Tatsache, dass er in diesem Schuljahr bereits über 50 Einrichtungen besucht hat, spricht mehr als genug für sein einzigartiges Talent, das Fach Latein ins Scheinwerferlicht zu stellen.

Als er zu Beginn seines Programms gestand, dass er Latein nach der 11. Jahrgangsstufe mit dem Prädikat „mangelhaft“ abgelegt hatte, war sicherlich die Aufmerksamkeit der meisten Schülerinnen und Schüler gewonnen. Wie kommt jemand, der diese tote Sprache offenbar auch nicht so toll fand, jetzt und heute dazu, dieses Fach mit voller Inbrunst zu vertreten? Dies war womöglich eine der Fragen, die in den jungen Köpfen aufkam. Dann erzählte er, wie er es mit familiärer Nachhilfe sogar zum Studium der klassischen Philologie geschaffte hatte und bewies damit, dass offenbar alles möglich ist. Unterhaltsame Geschichten zum ursprünglich zehn Monate umfassenden Kalender (Januar und Februar waren durch eine Kalenderreform eingefügt worden) sowie Anekdoten zu mythischen und historischen Persönlichkeiten der Antike folgten. Die mitunter größte Überraschung dürfte gewesen sein, dass Kleopatra zeitlich näher an der Erfindung des IPhones gelebt hatte als am Bau der Pyramiden in Ägypten.
Nach einer halbstündigen Pause wurden die Programmpunkte getauscht und die 7. & 8. Jahrgangsstufe durchlief die einzelnen Workshops, wohingegen die 6. Jahrgangsstufe miterleben durfte, wie Björn, in eine Toga gewandet, den Olymp unsicher machte.

Am Ende dieses ereignisreichen Vormittags war die Freude groß, als es nach „circenses“ auch „panem (+ vinum mostum/Traubensaft) gab.
Ein paar der vielen Überstunden hatte das P-Seminar in der Schulküche von Fam. Rachbauer verbracht und lateinische Snacks zubereitet: moretum (Käse-Kräuteraufstrich), libum (Opferbrot), globi (Mohnknödel). Care Patrick, maximas gratias tibi agimus!!!
Dies bedeutete dann auch finis für den Lateinischen Tag am HöSi.
Ein riesengroßes Dankeschön geht an die vielen Helferinnen und Helfer (Technik, Theater, Stylistinnen, Foto), die z. T. nie Latein belegt oder auch bereits abgelegt haben, und selbstverständlich an die Mitglieder des Fördervereins, der uns auch in diesem Jahr wieder finanziell unter die Arme gegriffen hat.

Finis coronat opus – Das Ende krönt das Werk!
Lydia Meyer für das gesamte P-Seminar Latein




